Von Katja Dunn, Lerntherapeutin in Teltow bei Berlin
Kennst du das? Dein Kind sitzt seit einer Stunde über den Mathehausaufgaben, macht Fehler, die es eigentlich nicht machen würde – und du fragst dich, ob es sich einfach nicht genug anstrengt. Ich höre diesen Satz von Eltern sehr oft. Und meine Antwort überrascht sie fast immer: Das Problem ist oft nicht zu wenig Anstrengung, sondern zu wenig Pause. Klingt paradox? Lass mich erklären, was in eurem Gehirn wirklich passiert.
Lernen bedeutet für das Gehirn echte Arbeit. Neue Informationen müssen aufgenommen, verknüpft und gespeichert werden. Dabei entstehen buchstäblich neue Verbindungen zwischen Nervenzellen – und das kostet Energie. Stell dir das Gehirn wie einen Schwamm vor: Es kann nur eine bestimmte Menge aufnehmen, bevor es gesättigt ist. Wenn dein Kind trotzdem weitermacht, ohne Pause, läuft das Wasser einfach ab – nichts davon bleibt wirklich hängen. Neurowissenschaftler nennen das den kognitiven Erschöpfungseffekt. Ab einem bestimmten Punkt sinkt die Aufmerksamkeit so stark, dass neues Lernen kaum noch möglich ist. Fehler häufen sich, die Frustration steigt – und das ist kein Zeichen von Faulheit, sondern von einem Gehirn, das dringend eine Auszeit braucht.
Viele Eltern sehen Pausen als etwas, das man sich verdienen muss. „Erst fertig werden, dann Pause.” Das klingt vernünftig, führt aber oft ins Gegenteil: Das Kind kämpft sich durch, lernt kaum noch wirklich etwas und ist danach trotzdem erschöpft. Dabei ist eine kurze Pause zwischendurch oft effizienter als 20 Minuten Durchbeißen. Warum? Weil das Gehirn in der Pause nicht einfach abschaltet. Es sortiert, verknüpft und festigt das Gelernte – ganz automatisch, im Hintergrund. Besonders bei Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten, Rechenschwäche oder nach einer Gehirnverletzung ist das Pausenmanagement ein zentraler Baustein jeder Therapie. Ich baue es in jede einzelne Sitzung ein – nicht als Auflockerung, sondern als lernfördernde Strategie.
Du brauchst kein aufwändiges System. Hier ist, was in der Praxis gut funktioniert: Für Grundschulkinder (6–10 Jahre): 15–20 Minuten Arbeiten 5–10 Minuten Pause (Bewegung, Snack, frische Luft) Für ältere Kinder und Teenager: 25–30 Minuten Arbeiten 10 Minuten Pause Was in der Pause wirklich hilft: Kurz nach draußen gehen oder sich strecken Ein Glas Wasser trinken Nichts am Bildschirm – das Gehirn schaltet dabei nicht wirklich ab Was in der Pause eher schadet: Handy, YouTube, TikTok. Der visuelle und emotionale Input ist so stark, dass das Gehirn keine echte Erholung bekommt.
Ich empfehle Eltern oft, die Pausen gemeinsam mit dem Kind einzuplanen – nicht als Reaktion auf schlechte Stimmung, sondern als festen Bestandteil der Lernzeit. Macht es zusammen sichtbar: eine einfache Uhr, ein Timer, ein kleiner Plan auf Papier. Das gibt dem Kind das Gefühl, selbst die Kontrolle zu haben – und das ist für die Lernmotivation Gold wert. Kinder, die verstehen, warum Pausen helfen, nehmen sie viel eher an. Ich erkläre meinen kleinen Klienten das oft mit dem Bild des Schwamms – und sie nicken sofort. Kinder sind schlauer, als wir manchmal denken.
Manchmal helfen Pausen nicht genug, weil die Erschöpfung tiefer liegt – zum Beispiel bei einer unentdeckten Rechenschwäche, Konzentrationsproblemen oder nach einer Erkrankung. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. In meiner Praxis mache ich mit jedem Kind eine individuelle Einschätzung, bevor wir mit der Therapie beginnen. So finden wir gemeinsam heraus, wo der echte Knoten liegt – und wie wir ihn lösen können.
Hast du das Gefühl, dass dein Kind trotz aller Bemühungen nicht wirklich vorankommt? Schreib mir eine Nachricht – ich freue mich auf unser Gespräch. 📞 Du erreichst mich auch direkt: +49 174 975 0103 Ich bin für euch da.
Herzliche Grüsse,
Katja Dunn, Integrative Lerntherapeutin & Bildungswissenschaftlerin